GLOSSAR · KI JETZT VERSTEHEN

Das KI-Glossar, mit dem AI Literacy überhaupt erst beginnt

20 Begriffe, die 2026 jeder KI-kompetente Mensch kennt – erklärt wie ein Mensch, nicht wie ein Whitepaper.

Ein kostenloser Guide von Sarah Rojewski · Zukunftsskill Academy — @sarah_rojewski

SO NUTZT DU DIESEN GUIDE

Einmal komplett durchlesen. Dann als Nachschlagewerk zurückkommen, sobald ein Begriff in einem Meeting, einem Workshop oder auf LinkedIn auftaucht und du ihn nicht einordnen kannst. Jeder Begriff hat eine Definition ohne Fachchinesisch und ein „In der Praxis"-Beispiel, weil erst das Beispiel einen Begriff im Kopf verankert.

AI LITERACY: DER ERSTE SCHRITT

AI Literacy ist gerade dabei, vom Nischenwort zur Grundvoraussetzung zu werden – so wie Lesen, Schreiben oder ein Grundverständnis von Excel. Und AI Literacy heißt nicht „kann ChatGPT bedienen". Es heißt: KI-generierte Inhalte einordnen können, ihre Grenzen kennen, wissen, wann man ihr nicht vertrauen sollte, und eine eigene Haltung dazu entwickeln, statt jeden Hype oder jede Panik unreflektiert zu übernehmen.

Vokabular ist dabei nicht das Ziel. Es ist die Eintrittskarte. Wer die Begriffe in diesem Guide nicht kennt, kann über KI nicht kritisch nachdenken, weil ihm die Bausteine fehlen, um die eigene Position überhaupt zu formulieren. Deshalb ist dieses Glossar der erste Schritt zu AI Literacy, nicht die ganze Strecke. Was danach kommt: verstehen, was diese Technologie mit deiner Arbeit, deinen Entscheidungen und deinem Denken macht. Aber das fängt erst an, wenn du die Sprache sprichst.

SEKTION 01

Die Grundlagen

Modelle

Der eigentliche Motor hinter der Antwort. Claude hat drei Größen: Haiku (schnell, günstig, einfache Aufgaben), Sonnet (der Alltagsarbeiter, deckt die meisten Aufgaben ab) und Opus (am stärksten, wenn Präzision vor Tempo geht). ChatGPT und Gemini haben vergleichbare Abstufungen, nur andere Namen.

In der Praxis: „Lauf das nochmal über Opus, die Antwort muss wasserdicht sein.“

Token

Ungefähr ein Wort. Eingabe und Ausgabe zählen beide mit. 5.000 Wörter sind grob 6.500 Token. Wer sein Limit im Plan aufgebraucht hat, hat genau das verbraucht.

In der Praxis: „Das Dokument hat 50.000 Token – passt in einen Chat, macht Claude aber langsamer.“

Context Window

Wie viel Information ein Modell gleichzeitig im Arbeitsgedächtnis hält. Größer heißt: längere Dokumente einfügen, ohne dass frühere Aussagen im Gespräch verloren gehen.

In der Praxis: „Claude hat jetzt ein 1-Millionen-Context-Window. Du kannst ein ganzes Buch reinschieben und danach fragen.“

Halluzination

Wenn KI eine erfundene Tatsache, Quelle oder ein Zitat produziert, das echt aussieht, aber nicht existiert. Passiert am häufigsten außerhalb der Trainingsdaten oder bei Details, die eine konkrete Quellenangabe brauchen. Immer an der Primärquelle prüfen.

In der Praxis: „Die Studie, die Claude zitiert hat, gibt es nicht. Immer gegenchecken.“

Wissensstand (Knowledge Cutoff)

Das Datum, bis zu dem die Trainingsdaten reichen. Alles danach kennt das Modell nicht von sich aus. Für aktuelle Infos muss es live im Web suchen.

In der Praxis: „Verlass dich bei News von dieser Woche nicht auf Claude, außer du lässt es recherchieren.“

System-Prompt

Die Anweisungen, die Claude vor jedem Gespräch liest. Ein normaler Prompt ist deine Frage, der System-Prompt ist die Grundordnung dahinter. Projekte und Cowork nutzen System-Prompts, um Ton, Rolle und Grenzen festzulegen.

In der Praxis: „Der System-Prompt sagt Claude, dass es mein Sparringspartner für Strategie ist. Jeder Chat im Projekt startet damit.“

Multi-modal

KI, die mehr kann als Text – sie liest Bilder, hört Audio, sieht Video und schreibt Text. Screenshot einfügen, Sprachnachricht schicken, Video hochladen: Claude arbeitet mit allem davon.

In der Praxis: „Schick mir ein Foto vom Vertrag, Claude liest das direkt, es ist multi-modal.“

SEKTION 02

Claude-Features, die du kennen solltest

Memory

Einmal aktiviert, erinnert sich Claude über Gespräche hinweg an deine Rolle und laufende Projekte. Der Unterschied zwischen einem Assistenten, der dich kennt, und einem Chatfenster, das jedes Mal bei null anfängt.

In der Praxis: „Ich hab Claude einmal erzählt, wie mein Kurs strukturiert ist. Mit Memory an, taucht das in jedem relevanten Chat wieder auf.“

Connector

Eine Ein-Klick-Brücke zwischen Claude und einer App, die du schon nutzt – Gmail, Notion, Canva. Einmal installiert, kann Claude darin suchen, Daten ziehen oder etwas ausführen. Ohne Code.

In der Praxis: „Ich hab den Notion-Connector installiert. Jetzt durchsucht Claude jede Seite in meinem Workspace.“

Artifact

Eine kleine, funktionierende App oder ein Dokument, das Claude direkt neben dem Chat baut. Tabelle, Dashboard, interaktives Tool, einfache Website. Editierbar, per Link teilbar, ohne Entwickler.

In der Praxis: „Ich hab Claude um eine Bewertungsskala für Bewerbungen gebeten. Das Artifact ist ein fertiges Formular, das ich direkt an mein Team schicken kann.“

Projects

Ein Arbeitsbereich mit dauerhaften Dateien, eigenem System-Prompt und laufendem Chatverlauf. Ein Ordner für ein Thema, eine Rolle, ein Geschäftsfeld. Claude kennt den Kontext bei jedem Öffnen wieder.

In der Praxis: „Mein Projekt ‚KI Ressourcen‘ hat meine Positionierung, meine Brand Voice und alle früheren Guides. Jeder Chat darin ist schon auf mich abgestimmt.“

Skills

Eine gespeicherte Aufgabe, die du per Slash-Befehl auslöst, statt denselben mehrstufigen Prompt jedes Mal neu zu schreiben.

In der Praxis: „Ich hab mir einen /linkedin-post-Skill gebaut. Ich tippe /linkedin-post, werf mein Thema rein, fertig ist der Entwurf.“

Cowork-Plugin

Ein fertiger Workflow-Stack, der Claude zum Spezialisten für eine Rolle macht. Installier Sales, Claude macht Sales. Installier Content, Claude denkt in Guides und Posts.

In der Praxis: „Das Content-Plugin weiß direkt, wie ich Guides strukturiere und welche Skills dafür laufen.“

Extended Thinking

Ein Modus, in dem Claude ein Problem Schritt für Schritt durchdenkt, bevor es antwortet – bessere Ergebnisse bei Logik und komplexen Abwägungen, dafür langsamer und token-hungriger.

In der Praxis: „Schalt Extended Thinking für diese Analyse ein. Ich brauch ein durchdachtes Ergebnis, keine schnelle Vermutung.“

Deep Research

Ein Modus, der eine mehrstufige Recherche fährt und einen mit Quellen belegten Report liefert. Claude liest mehrere Webseiten, gleicht Aussagen ab, schreibt die Synthese. Dauert 10 bis 30 Minuten.

In der Praxis: „Lauf Deep Research über die fünf größten Keynote-Speaker in meinem Feld. Themen, Positionierung, aktuelle Buchungen.“

SEKTION 03

KI, die handelt

Chatbot vs. Agent

Ein Chatbot antwortet auf eine Nachricht: Du fragst, er antwortet. Ein Agent handelt über mehrere Apps hinweg. Du gibst ein Ziel vor, er plant die Schritte, führt sie aus und meldet sich zurück.

In der Praxis: „Der Chatbot kann die E-Mail entwerfen. Der Agent entwirft sie, verschickt sie und hakt nach drei Tagen ohne Antwort nach.“

Agentic

Das Adjektiv für KI, die selbstständig planen, handeln und mehrstufige Aufgaben abschließen kann. Der Sammelbegriff für die Welle an KI, die nicht nur antwortet, sondern liefert.

In der Praxis: „Die agentische Zukunft ist längst da. Die Hälfte meiner Workflows läuft agentisch, nicht mehr im Chat.“

Computer Use

Ein Modus, in dem Claude deinen Bildschirm sieht und für dich klickt, tippt, navigiert. Für Aufgaben ohne saubere API – Formulare ausfüllen, durch ein CRM klicken, ein Dashboard abgreifen.

In der Praxis: „Ich hab Claude Computer-Use-Zugriff auf meinen Browser gegeben. Über Nacht hat es fünfzig Notion-Seiten aktualisiert.“

Vibe Coding

Echte Software bauen, indem du in normaler Sprache beschreibst, was du willst. Tools wie Lovable verwandeln deine Beschreibung in fertigen, live geschalteten Code. Ohne klassisches Programmieren.

In der Praxis: „Ich hab das Kunden-Portal an einem Wochenende in Lovable vibe-gecodet.“

Fine-Tuning vs. Prompting

Fine-Tuning verändert die Gewichte des Modells selbst, um es auf einen Datensatz zu spezialisieren – aufwendig, teuer, meist etwas für Unternehmen, die eigene Produkte bauen. Prompting ändert nur, was du fragst. Fast alles, was du machst, ist Prompting.

In der Praxis: „Wir haben nichts fine-getunt. Wir haben nur einen richtig guten System-Prompt mit zehn Beispielen geschrieben. Gleiches Ergebnis, viel günstiger.“

WAS ALS NÄCHSTES KOMMT

Wenn diese 20 Begriffe sitzen

Geht's hier weiter – jeder Punkt ist eine Handlung, kein Konzept zum Abnicken.

01 · Bau dir deinen eigenen Skill

Hör auf, nur fertige Skills zu nutzen. Überleg dir eine Aufgabe, die du jede Woche machst – Meeting-Zusammenfassung, Status-Update, Follow-up bei Kunden. Baust du sie einmal als Skill, läuft sie ab dann per Slash-Befehl.

02 · Bau dir einen eigenen Cowork-Agenten

Ein Agent ist größer als ein Skill – eine ganze Rolle, auf die du Claude trainiert hast. Such dir den nervigsten, sich wiederholenden Teil deiner Woche aus und bau genau dafür einen.

03 · Verschick ein echtes Artifact

Lass Claude etwas Interaktives bauen – einen Rechner, einen Tracker, ein Formular. Teil den Link mit jemandem, der es wirklich braucht. Die meisten Menschen wissen nicht, dass ein Claude-Chat ein funktionierendes Tool ausspucken kann.

04 · Schalt Memory ein und füttere es bewusst

Geh in die Claude-Einstellungen, aktivier Memory. Gib ihm in den nächsten Chats aktiv deine Rolle, deine Ziele, deinen Stil. Nach einer Woche arbeitet Claude mit vollem Kontext, nicht mit Rateversuchen.

05 · Richt Computer Use für einen Workflow ein

Sucht dir eine repetitive Browser-Aufgabe aus – CRM-Einträge aktualisieren, Daten zwischen Tools verschieben. Lass Claude das übernehmen und beobachte, wie es läuft, während du in einem anderen Meeting sitzt.

ZUM MITNEHMEN

Sprache ist der erste Schritt zur Kompetenz

Diese 20 Begriffe sind nicht das Ziel. Sie sind die Grundausstattung, mit der AI Literacy überhaupt erst anfängt – die Fähigkeit, mitzureden, nachzufragen und selbst zu entscheiden, wo KI hingehört und wo nicht. Lern sie nicht, um klug zu klingen. Lern sie, weil du sonst über etwas mitentscheidest, das du gar nicht benennen kannst. Sprache ist der erste Schritt zur Kompetenz – der Rest ist üben.

KURS · WARTELISTE

Zukunftsskill: Claude – der Kurs

Ich glaube nicht an 100 Tools. Ich glaube an eines, das du wirklich beherrschst. Trag dich ein und erfahre als Erste:r, wenn der Kurs startet – inklusive Launch-Vorteil.